Prävention

No Blame Approach

Die Vorgehensweise ist deswegen besonders geeignet, weil sich Schule immer schwer damit tut, Täter ihrer Taten zu überführen. Das liegt auch daran, dass laut Studien mehr als 50% der Mobbinghandlungen in den Pausen, im Sportunterricht oder auf der Schülertoilette statt finden. Sowohl Täter, als auch Eltern verlangen stets Beweise, die auf Grund der teilweise äußerst raffinierten Vorgehensweise der Täter nicht erbracht werden könnten. Diese „Beweise“ entfallen und die Schule wird handlungsfähig.

Mitte der 80er-Jahre in England von Barbara Maines und George Robinson entwickelt
Christopher Szaday, ehemals an der Pädagogischen Hochschule in Zürich tätig und derzeit eine Fachstelle für schwierige Schulsituationen leitend, hat seit 2002 den Ansatz im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht.
Inzwischen wird mit dem No Blame Approach in der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und auch in ersten Ansätzen in Österreich

Grundidee

  • Lösungsorientierung anstatt Problemfokussierung (vgl. Kurzzeittherapie von de Shazer 92006 und Berg 1992)
  • Keine Frage nach dem Problemzusammenhang, den Ursachen und Schuldigen
  • Verzicht auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen
  • Vertrauen auf die Ressourcen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, wirksame Lösungen zu entwickeln

Zentrale Prinzipien und Wirkungsmechanismen

  • Zukunfts- und lösungsorientierte Ausrichtung des Handelns in allen Phasen des Vorgehens anstelle einer problemzentrierten Vorgehensweise
  • Überzeugung, dass detailliertes Wissen über das Mobbing-Geschehen nicht erforderlich ist, um das Mobbing zu beenden
  • Freiwilliges Mitwirken aller Beteiligten in den einzelnen Phasen des Prozesses
  • Verzicht auf Schuldzuweisungen und Sanktionen, d.h. auch auf Bewertungen und Verurteilungen im Prozessgeschehen
  • Ansprache der beteiligten Kinder und Jugendlichen als HelferInnen und UnterstützerInnen bei der Lösung eines Problems anstatt als Schuldige und Angeklagte
  • Versprechungen für verbessertes Verhalten werden nicht eingefordert und auf Ausübung von Druck wird verzichtet.
  • Lösungen werden allein im Blick auf die Mobbing-Betroffenen gesucht, ohne zugleich Forderungen an sie zu formulieren
  • Übertragung von Verantwortung auf die Kinder und Jugendlichen
  • Vertrauen in die beteiligten Kinder und Jugendlichen, dass sie eine schwierige Situation eigenständig verbessern können
  • Wertschätzung der Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen und Freiraum, sie zum Tragen kommen zu lassen
  • Verfahrenstransparenz

Tipps für die Auswahl von Schülern für die Unterstützergruppe

Schülerinnen und Schüler

  • die eine starke Stellung/hohe Anerkennung und Einfluss in der Klasse haben und deren Meinung in der Klasse zählt
  • die als sozial kompetent eingeschätzt werden
  • deren Sozialkompetenz zwar als nicht so hoch eingeschätzt wird, aber von sich aus eine Veränderung der Situation einfordern
  • die Sympathie gegenüber dem von Mobbing-Betroffenen zeigen
  • die Standfestigkeit, Standvermögen und Mut zeigen